Queensryche Cabaret

Der Cabaret-Abend Nr. 1 war ehrlich gesagt keine leichte Kost. Im Vorfeld hagelte es ja viel Kritik, solle man das nun als künstlerische Finesse betrachten, da die Band sich schließlich immer wieder gewandelt und weiterentwickelt hat - warum also kein Experiment eingehen? Oder war es doch nur eine durchgeknallte verzweifelte Entscheidung des Managements, auf Teufel komm raus Aufmerksamkeit zu erregen? Beunruhigt hatte mich im Vorfeld ein auf Youtube kursierendes Video, welches in einem Interview die Band samt Gogo-Dancer vorstellte - und ein paar nicht ganz unbekannte Gesichter aus dem Umfeld der Band zeigte. Queensryche Cabaret - das Familienunternehmen? Die Theorien und Stimmen überschlugen sich, ich wollte es auf mich zukommen lassen und selbst entscheiden.

Ich hatte (nach langer Warterei und Rennerei trotz Zusage des Promoters) einen Photopass, durfte aber nur die ersten 3 Songs fotografieren. Überhaupt war die Security nervig und übel drauf, sie drohten wiederholt, uns bei Missachtung rauszuschmeissen; daher gibt es vom ersten Abend auch leider nur wenig Fotos. Für den zweiten Abend intervenierte dann aber das Management und wir durften zwar keine Videos aufnehmen, aber zumindest durchgehend fotografieren.

Einen großen Teil des ersten Abends war ich visuell ziemlich überfordert - schließlich war ich da, um meine Lieblingsband zu sehen, wurde aber durch die ständig wechselnden Performer vom Wesentlichen abgelenkt. Geoff mit neuer Glatze (laut Statement aus Solidarität zu einer leukämiekranken Freundin) sich lasziv auf dem roten Sofa in Lippenform räkelnd war schon irritierend genug *lach*.

Dazu wechselte bei jedem Song die artistische Darbietung: mal Schlangenfrau, mal Burlesk-Tänzerin, Ringakrobatinnen und Tuchakrobatik, dazwischen ein autentischer Indianertanz zu Scott's Schlagzeugsolo und Drumline, sowie eine fantastische Drag-Queen, deren alte maskuline Gesichtszüge im Gegensatz zur Doppel-E/F/G (?) Oberweite standen. "The Lady Wore Black" will never be the same - der Auftritt war so genial!

Zu all dem sprangen die Gogo-Dancer in kunterbunt wechselnden Kostümen über die Bühne - erstaunlicherweise war GT's Tochter und Parker's Angetraute Miranda tatsächlich mit Leib und Seele bei der Sache und wirkt professioneller, als manch anderes Bunny, das die Musik nicht wirklich "lebte". Auch GT'S Ehefrau und Managerin Susan betrat die Bühne, mit einem großen roten Herz an der Seite ihres Angetrauten. Als Teil der Storyline ist GT auf der Suche nach dem Sinn des Lebens sowie sich selbst. Das er diesen am Ende in der wahren Liebe findet (GT und Susan eng umschlungend tanzend und sich küssend) und die Tate's damit Ihre Familienkiste auf die Bühne tragen - nunja, das bleibt dann wiederum Geschmacksache. Neben Susan huschten aber auch Scott's Frau Misty sowie Susan's Freundin Michelle im Feenkostüm über die Bretter.

Costas vom Greek Empire hatte "on stage with QR" für 2 Personen gewonnen und mich als Begleitung auserkoren :-). Am Ende von "Liquid Sky" nähere ich mich dann, wie verabredet, dem linken Bühnenrand. Dummerweise kamen die On Stage-Pässe (wie auch einiges andere...) nie an, und so musste ich bei Susan etwas Überzeugungsarbeit leisten - was angesichts der toughen Security, die mich nicht zu ihr durchlassen wollte, gar nicht so einfach war. Am Ende durfte ich aber mit uns so sind wir zu acht Backstage - nur Costas war nicht da! Er hatte wohl am Ende aufgrund der Performance doch Bedenken, und meine Theorie ist, dass er sich absichtlich verspätete,  denn - im Ernst, fellow Rychers - zu so einem Termin kommt man doch nicht unpünktlich?

Jedenfalls hatten wir ja keine Ahnung, was uns erwartete und wir waren schon etwas nervös. Backstage erwartete uns eine große Kiste mit Kostümen, die wir uns schnell überstülpten. Dann mussten wir noch schnell unterschreiben, dass wir uns auf eigene Gefahr auf die Bühen begeben (Bloss nicht stolpern! Was gar nicht so einfach war...;-) und schon wurden wir zwischen den Tänzerinnen aufgereiht und los ging es für das Finale "Right Side of my Mind". Das Ergebnis könnt Ihr hier sehen - ich bin die hinter Eddie, grüne Federboa, Umhang und Hexenhut ;-). Ich hatte jedenfalls einen Riesenspass!

Am Ende waren sich alle einig, dass die Artisten wirklich qualitativ große Klasse waren - lediglich die Gogo's bleiben Gegenstand der Diskussionen. Aber es ist wohl eher eine Grundsatzfrage sowie eine Frage des persönlichen Geschmacks. Brauchen QR Gogos? Brauchen QR Cabaret? Wenn wir die Wahl hätten, würden wir nicht ein normales Party-Konzert bevorzugen?

Ich hatte beide Abende totales Glück, da ich ja - mit Fotopass ausgestattet - anfangs nach vorne durfte. Mein eigentlicher Sitzplatz war weiter hinten, aber als ich vorne war konnte ich sehen, dass manche Plätze frei waren, weil manche Leute nicht erschienen waren - so konnte ich sogar noch Marla mit nach vorne schmuggeln :-). Freie Sicht also an beiden Abenden. Worauf ich aber hinauswollte ist, dass ich das Konzert am zweiten Abend irgendwie als schwungvoller empfand. Ich hab lange drüber nachgedacht und bin zu dem Entschluss gekommen, dass die Wahrnehmung und Stimmung eher mit der Gruppendynamik zu tun hat. Zum einen sind die Konzerte in den USA eben bestuhlt, was für uns schon befremdlich ist. Dann sass (!) ich am ersten Abend zwischen Leuten, die nicht sonderlich motiviert waren und auch nicht aufstanden - es war eher wie eine Theatervorstellung, als ein Rockkonzert. Den Fanclub-Block hatten sie, warum auch immer, an die Seite gesetzt - großer Fehler!. Am zweiten Abend war ich dann auf der Fanclub-Seite, und zwar kollektiv stehend (statt sitzend) - und da war die Stimmung schon ganz anders. Wobei ein "General Admission" Konzert mit Drängeln in die vordersten Reihen eben doch nochmal was anderes ist...

Warum die Sitze so vergeben wurden konnte ich nicht nachvollziehen, denn selbst Mr Wilton (ja, der Dad von Michael) hatte Plätze ganz außen am Rand, und das nichtmal auf Michael's, sondern auf Parker's Seite! Iota hat ihn dann zu uns geholt, dass er zumindest eine gute Sicht auf die Bühne hatte. Er kam übrigens im QR Outfit, T-Shirt und Cap, meinte aber, dass er seinen Sohn ja immer sehen könnte, die Tänzerinnen hingegen nicht...nun, Papa Wilton hatte offensichtlich Spass ;-).

 

back